
Auf diesem Grundstück ging es um mehr als zwei neue Mehrfamilienhäuser. Mit dem Verkauf des ehemaligen Gasthauses stand eine grundlegende Veränderung des Orts bevor. Erhalten geblieben war ein gewachsener Baumbestand: ortsbildprägend, teilweise verwildert, aber von hoher räumlicher Qualität. Früh stellte sich deshalb die Frage, wie sich eine dichtere Bebauung mit dem vorhandenen Freiraum verbinden lässt.


Der Impuls, die prägende Eiche innerhalb des Grundstücks zu verpflanzen, kam vom Bauherrn selbst – ein ambitionierter Vorschlag, der frühzeitig vorbereitet und mit großem Einsatz umgesetzt wurde. Gleichzeitig sollte auch die bestehende Kastanie erhalten bleiben. Damit stand früh fest, dass der Baumbestand nicht nachträglich integriert werden sollte, sondern Ausgangspunkt der Planung war.


Unsere Aufgabe bestand darin, zwei Mehrfamilienhäuser und eine gemeinsame Tiefgarage so zu planen, dass sowohl die verpflanzte Eiche als auch die bestehende Kastanie dauerhaft ausreichend Raum erhalten – oberirdisch wie unterirdisch. Die Tiefgarage wurde außerhalb der sensiblen Wurzelbereiche geführt, die Erschließung kompakt organisiert und zusätzliche Entwicklungsflächen für die Bäume mitgedacht. So entstanden Freiräume, die nicht als Restflächen behandelt wurden, sondern die Struktur des Projekts mitbestimmen.



Die besondere Herausforderung lag nicht nur in der Planung, sondern auch im Umgang mit dem Bestand während der Bauphase: Schutz der Wurzeln, regelmäßige Bewässerung sowie eine enge Abstimmung zwischen Landschaftsbau, Pflege und Ausführung. Ergänzend wurden am Dachrand Nistmöglichkeiten für Vögel integriert.
Das Projekt zeigt, dass sich auch unter den Rahmenbedingungen verdichteten Wohnungsbaus prägende Bestandsbäume langfristig erhalten und integrieren lassen – wenn Freiraum, Erschließung und Bauablauf frühzeitig zusammengedacht werden.

